Das Igelzuhause


Es steht außer Frage, dass eine Behausung mit vier Wänden, die freie Natur nicht ersetzen kann. Du kannst die Behausung deines Igels jedoch artgerecht gestalten. Dein Igel wird es dir danken!

 

 

Terrarium

 

Das Igelheim muss in jedem Fall ein Terrarium sein. Dies hat den Hintergrund, dass ein Käfig die nötige Wärme, die bei der Igelhaltung erforderlich ist, nicht halten kann. Des Weiteren können sich die Igel in den Gitterstäben des Käfigs verhaken und schwer verletzen! Ich rate ausdrücklich auf einen Käfig zu verzichten. Ein Käfig, sowie ein Terrarium aus Glas, sind nach allen Seiten hin offen einzusehen. Dein Igel bevorzugt jedoch einen Unterschlupf, in dem er sich sehr gut verstecken und zurückziehen kann, ohne von allen Seiten beäugt zu werden. Ein Glasterrarium eignet sich auch nur dann, wenn die Rückseite und die kurzen Seiten blickdicht verkleidet werden. Beachte jedoch, dass ein Glasterrarium schwerer in der handwerklichen Handhabung (z.B. Einbau von Ebenen) ist und auch die Wärme nicht lange speichert.

Außerdem sollte eine Unterbringung gewählt werden, in der du nicht von oben auf deinen Igel greifen musst. Von oben kommt schließlich der FEIND!

 

Ich empfehle daher ein Terrarium aus Massivholz oder OSB-/ESB-Platten, da hier die Wärme sehr gut gespeichert wird. Bitte achte auf ausreichend große Luftschlitze! Die Luftschlitze sollten höhenversetzt sein, um Durchzug zu verhindern und eine ausreichende Luftzirkulation zu ermöglichen. 

 

(Zusatz: Fast alle Terrarien die man bei Ebay etc. findet, haben Schiebetüren aus Glas. Hier sind jedoch keine Griffe für die Türen inklusive. Hierfür gibt es selbstklebende Elastikpuffer, die einem lästige Fingerabdrücke auf den Scheiben ersparen.)

 

Beispiele für Terrarien

Größe des Terrariums

 

Das erste Prinzip was du beachten solltest: Es gibt kein "zu groß"! Je größer, desto besser.

Die Mindestgröße für ein Tier ist: 150cm x 60 cm x 60 cm (B x H x T)

 

In der Vergangenheit wurde für zwei oder ein Igel das 120x60x60 Maß mindestens empfohlen. Durch die Erfahrung vieler Igelhalter konnte jedoch beobachtet werden, dass auch bei einem Igel ein Mindestmaß  von 150x60x60cm besser ist. Dies liegt vor allem daran, dass es auch Tage gibt, an denen die Igel vielleicht mal nicht in den Freilauf können.

Gerade auch beim Versuch der Gruppenhaltung bei Männchen ist es wichtig, dass die Jungs sich aus dem Weg gehen können! Aber auch die Weibchen haben gerne mal ihre Ruhe. Nutzt diese Größe (oder eben mehr)! Die Igelchen werden es euch danken!

 

Bei drei Igeln erhöht sich das Mindestmaß entsprechend auf 180x60x60!


Zusätzlicher Auslauf in der Aktivitätszeit ist Pflicht! Da man auf eine künstliches Trainieren der Wachzeiten verzichten sollte, empfiehlt es sich einen Dauerauslauf anzuschließen den die Tiere nachts selbstständig aufsuchen können. 

      

Extra: Materialliste Terrarium 150 cm x 60 cm x 60cm

 

Ihr könnt euer Terrarium natürlich auch selber bauen. Ich habe das mal durchkalkuliert und wenn man sich an den günstigen Preisen der Materialien richtet und ein bisschen vergleicht, kostet die Größe im Eigenbau ca 90-100€.

 

Solltet ihr eine kleinere oder größere Variante bevorzugen, müsst ihr die Maße anpassen.

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Terrarium 150x60x60 cm
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Temperatur

 

In der Natur halten Weißbauchigel keinen Winterschlaf, wie wir ihn von unseren heimischen Igeln kennen. Sie sind in der Winter- und Sommerzeit mitunter weniger aktiv, schlafen aber nicht die komplette Zeit über. Wenn die Temperatur zu sehr fällt, senkt sich ihr Stoffwechsel und sie verfallen in eine Art Schlaf. (siehe "einfrieren").Dies kann sehr gefährlich für die Kleinen werden und dazu führen, dass sie nicht mehr aufwachen.

Tagsüber ist eine Temperatur zwischen 24-26 Grad optimal, und nachts zwischen 21-23 Grad.

 

Wärmer sollte es auch nicht sein, denn in der Natur bewegen sich die Weißbauchigel bei solchen Temperaturen nicht, sondern befinden sich in kühleren Höhlen in ihrem Schlafgemach.
Nachts fallen die Temperaturen sogar auf 17 Grad runter, aber durch die Speicherung der Sonnenstrahlen liegt die Bodenwärme höher.
In den Terrarien können sich die Weißbauchigel nicht vor der direkten Hitze durch die Wärmequelle, wie Rotlichtlampe o.ä. schützen, also achtet drauf, dass die Temperatur nicht zu hoch angesetzt ist, aber auch nicht zu niedrig.

(Foto: Nadine)
(Foto: Nadine)

Wärmelampen

 

Um die oben beschriebene Temperatur sicherzustellen, brauchst du pro Terrarium eine Wärmelampe.

 

Welche soll es sein? Hier scheiden sich die Geister. Die einen empfehlen einen Keramikstrahler (bspw. Elstein), da dieser langlebiger ist und kein Licht abgibt. Andere benutzen Infrarotwärmelampen (Rotlicht), da diese Licht abgeben und die Igel gut beobachtet werden können. Igel sind keine guten "Seher". Sie nehmen das rote Licht der Lampe kaum war. Einige beobachten allerdings, dass ihre Igel erst aktiv werden, wenn das Licht ausgeschaltet ist. Hier solltest du deinen Igel beobachten und wenn nötig, die Birne austauschen.

 

Wenn deine Räume eine Grundtemperatur von 20 oder mehr Grad haben, reicht für ein Terrarium 120x60x60 cm eine 50 Watt Birne aus.

 

Des Weiteren benötigst du noch eine Fassung für die Glühbirne. Am besten eignen sich Porzellanfassungen. Bitte benutze niemals eine Plastikfassung, da diese die Wärme aufnimmt! Achte auch darauf, dass die Igel nicht mit der Lampe in Berührung kommen.

 

Exkurs: Thermostat

Um Stromkosten zu sparen, kannst du ein Thermostat an die Wärmelampe anschließen. Ich benutze Thermo Control Pro II

Der Vorteil an diesem Thermostat: Du kannst zwei Schaltkreise für Tag und für Nacht einstellen. Das Thermostat lässt die Lampe solange eingeschaltet, wie du die Maximaltemperatur eingestellt hast. Sie schaltet sich bei Unterschreiten einer gewissen (selbst gewählten) Minimaltemperatur wieder ein.

 

Etagen

 

Um die Lauffläche zu Vergrößern können zusätzliche Ebenen eingebaut werden. Hier besteht jedoch Vorsicht bei der Höhe. Igel sind keine besonders guten Kletterer und stürzen auch mal ab. Als Anhaltspunkt für die erste Ebene empfiehlt sich z.B. die Höhe der Ecktoilette (später hierzu mehr). Alle weiteren Ebenen sollten entweder eine geringere Breite als die untere haben (so fällt der Igel im Zweifel nicht ganz von oben) oder man montiert eine Art Geländer an die Ebenen. Hier musst du jedoch darauf achten, das keine Zwischenräume vorhanden sind. Die kleinen Füßchen können sich sonst verhaken und dein Igel hängt am Geländer fest.

 

Als Etage eignen sich Regalbretter ganz gut, da diese schon beschichtet sind oder du versiegelst sie ebenfalls mit Harz oder Lack (mehr dazu unter Reinigung).


Etagen können keinesfalls fehlende Grundfläche ersetzen. Außerdem darf die Treppe nicht zu steil sein, da die Igel dadurch auf Dauer Gelenkschäden davontragen können.

 

Nachtrag: Ich benutze inzwischen keine Ebenen mehr, da ich das Risiko von Gelenkschäden für zu groß erachte. Hier bestehen jedoch unterschiedliche Meinungen.

Und natürlich: Die Reinigung

 

Du solltest das Terrarium täglich von Futter- , Kot- und Urinresten befreien, um Gerüchen, Parasiten und Krankheiten vorzubeugen.

 

Der Bodengrund sollte wasserabweisend sein. Dies erreichst du bei Holzterrarien, indem du das Holz mit Epoxidharz oder Spielzeuglack versiegelst. Der Vorteil des Spielzeuglackes ist der Preis. Widerum trocknet Epoxidharz sehr schnell, riecht nicht lange und bildet schnell eine glatte und leicht zu reinigende Oberfläche.

 

Eine weitere Variante ist die Auslegung eures Terrariums mit PVC. Dies erfordert einiges an Geschick und du musst die Zwischenräume mit Silikon abdichten. Mit einem schönen Muster (z.B. Steinoptik) kann dein Terrarium jedoch ganz schnell optisch aufgewertet werden. 

 

Die Komplettreinigung deines Terrariums richtet sich nach der täglichen Reinigung und natürlich, wie viele Igel du hast. Im Schnitt sollte dies alle 2-4 Wochen durchgeführt werden.

 

Exkurs Epoxidharz: Es gibt trotz der einheitlichen Erklärung zu diesem Harz wichtige Unterschiede. Die Epoxidharze, die primär im Reperaturbereich (GFK) eingesetzt werden, solltest du nicht nutzen. Ich empfehle die Harze von Breddermann Kunstharze, da diese auch für eine "Trinkwasser-Beschichtung" geeignet sind und getestet wurden. Diese Harze riechen nicht stark und sind in kurzer Zeit trocken. Bitte benutze Handschuhe bei der Verarbeitung und lass das Terrarium mindestens eine Woche ausdünsten, bevor du deinen Igel einsetzt!